Filmclip: Palmsonntag: Wer rettet wen wie? - Gedanken zu Retten und Hoffen

Palmsonntag: Jesus auf dem Esel: Jesus reitet auf dem Esel in die Hauptstadt Jerusalem.
(Als Youtube-Film hier: » 200 Sekunden zu Palmsonntag)

Palmsonntag ist ein seltsamer Feiertag:

'Jesus reitet auf einem Esel in die Hauptstadt.
Die Menschen leiden,
weil sie unterdrückt sind, nicht frei, arm, Angst haben müssen.
Sie empfangen Jesus wie einen Heilsbringer und rufen 'Hosianna!':
Rette uns! Hilf uns!
frank lehmann,
Als Pfarrer würde ich ja gern sagen:

'Und dann hilft Jesus den Menschen:
Er beseitigt ihre Not.
Er schickt die Unterdrücker nach Hause.
Er lässt die Menschen in Wohlstand leben und frei sein.'

Ist aber nicht so. Leider.

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Man kann sich fragen, warum Jesus nicht rettet.

Will er nicht? Das wäre angesichts des Leids sehr zynisch.
Kann er nicht? Das kratzt an seinem göttlichen Allmachts-Lack.

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Heute jedenfalls retten gerade andere.

Es retten jedenfalls nicht die Mächtigen und schon gar nicht die Selbstherrlichen.
Es retten auch nicht die Priester in ihren komischen Gewändern
mit ihren uralten Ritualen und Bräuchen.

Es retten Testreihen, Schutzmasken, vielleicht mal ein Impfstoff.
Es retten Dr. Koch, der Bundesrat und Verhaltensregeln.
Es retten Pflegepersonal und Maschinen.

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Jesus enttäuscht die Rettungs-Erwartung vieler Menschen.

Vielleicht deshalb schreien sie ihn
fünf Tag später - an Karfreitag - ans Kreuz.

Ehrlich gesagt hätte ich sehr gern
die konkrete und handfeste Rettung
von ungerechten und unheilen Strukturen gleich heute
wie von Zauberhand.

Aber die gibts nicht. Basta.

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Jesus auf dem Esel reitet nicht in die Zentren der Welt,
um alle Nöte zu beseitigen.
Aber irgendwie schafft er es - durch Tod und Leid hindurch -
in Tausenden von Menschen die Hoffnung am Leben zu halten.

Und Menschen, die noch hoffen,
sind Menschen, die handeln.

Und das wird viele retten!

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