Frank Lehmann (Foto: Mathias Brechbühl mbpictures.ch)
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Bereitgestellt: 28.08.2026

Tschüss!

Familienzeit (Foto: Selbstauslöser)
Nach gut 33 Jahren sage ich jetzt «Tschüss». Meine Zeit als Pfarrer in der Kirchgemeinde Wädenswil ist zu Ende. Mit Worten kann man zwar nur sehr wenig ausdrücken: Von all dem, was mir da so durch den Kopf geht und von all den Beziehungen zu all den verschiedenen Menschen, mit welchen ich ein Stück Leben teilen durfte. Dennoch habe ich mir mir gewünscht, selbst einige Worte zum Abschied schreiben zu dürfen.
Frank Lehmann
«Was machst Du jetzt, nach der Pensionierung?» Das werden wir wohl alle gefragt, wenn wir diese unsichtbare Grenze überschreiten. Auf dem Foto von meiner Familie seht Ihr einen Teil der Antwort: Ich will mehr Zeit haben für meine Liebsten.

Ich denke an meine «Amtseinsetzung» im November 1992: Naiv und unwissend, wie ich war, wurde ich völlig überrumpelt vom gigantischen Aufwand, der da betrieben wurde. Auf einen feierlichen, aber ziemlich steifen Gottesdienst folgte ein kleines Volksfest in der Glärnischhalle mit allem Drum und Dran. Ich spürte übergrosse Erwartungen an mich als jungen Pfarrer, der aus der Jugendarbeit kam: Ich sollte sozusagen die Jugend zurück in die (alten) kirchlichen Strukturen und Rituale bringen. Und ich wusste: Das kann und will ich nicht. So unwohl, wie ich mich in meinem Anzug fühlte, so unwohl war mir in al den neuen Zwängen und es dauerte ein paar Jahre, bis ich mich befreit und gefunden hatte.

Das «Evangelium» – die frohe, befreiende Botschaft – soll so gelebt, verkündet und erfahrbar gemacht werden, dass sie den jeweiligen Menschen in seiner Lebenssituation trifft. Dass sie für ihn eben eine gute Botschaft ist. Und weil die Menschen nun mal ganz verschieden sind und in völlig unterschiedlichen Situationen leben, muss das «Evangelium» auch ganz unterschiedliche Kleider anziehen. Das ist in unserer Kirche zum Glück immer wieder möglich.

Aus den vielen Begegnungen und Momenten hab ich ein paar wenige ausgewählt, von denen ich halt auch grad ein gutes Foto habe - diese Fotos finden Sie gleich hier unten im Album:

(Foto 1 - KonfirmandInnen bauen Stab-Brücke) Wo Menschen spüren, dass sie wichtig sind, dass es auf sie ankommt, dass sie tragfähig leben können und auch selber getragen werden, da gehen neue Türen auf und Vieles wird möglich. So viele Jugendliche durfte ich auf ihrem anspruchsvollen Wegabschnitt ein klein wenig begleiten – ich habe nie aufgehört, über sie zu staunen und von ihnen zu lernen.

(Foto 2 - Wanderung - gemeinsam unterwegs sein) In unserer Gemeinde sind viele Menschen zusammen mit andern Menschen unterwegs. Seelsorge findet längst nicht bloss von Pfarrer zu Gemeindeglied statt, sondern vor allem untereinander, von jung bis alt. Für mich sind es tiefe Momente, wo wir miteinander unterwegs sein dürfen, im Geist, in Gedanken, in der Liebe und auch mit unsern Füssen.

(Foto 3, 4 und 5 - wuseln, begegnen und mitmachen im Gottesdienst) Den Gottesdienst nehme ich als Aufgabe zwar immer ernst – aber er ist mir nicht das Wichtigste. Umso mehr freue ich mich, wenn sich Menschen trotz der unvollkommenen Form ansprechen lassen von einem heiligen Gedanken. Umso schöner, wenn diese Menschen sich auch im Gottesdienst begegnen und sogar selber aktiv werden können. Denn das ist mir am Reformiert-Sein besonders wichtig: Das Heilige kann von jedem Menschen zu jedem andern fliessen – wir können einander alle Priesterin und Priester sein.

(Foto 6 - Die weissen Tafeln - gemeinsam Essen) Bei den Feiern rund um das 250er-Jubiliäum unserer Kirche war mir wichtig, dass daraus keine «Retro-Veranstaltung» wird, sondern ein Jahr, in dem zukunftsorientierte Möglichkeiten geschaffen und gelebt werden: So versammelten sich an den «Langen Tafeln» in unserer Kirche mal alle Vertreterinnen und Vertreter der verschiedensten Behörden, mal eine grosse Schar von Mitgliedern des Handwerker- und Gewerbeverbands und dann auch all die, welche mit ihren Gaben die Nacht an den «Weissen Tafeln» möglich machten. Und bei all dem Essen und Geniessen war der Heilige Geist dabei.

(Foto 7 und 8 - Feuer und Funken) Feuer war schon immer mein Element, privat, im Konf-Kurs, in den JUKI-Modulen oder beim «Männerschweiss». Es verbindet: Beim Raclette, beim Stangenbrot, beim Singen am Lagerfeuer, beim schweigenden «In-die-Flammen-Glotzen» ebenso wie beim Feuerspucken. Es ist ansteckend. Ich habe so Vieles empfangen. Mögen ein paar Funken weiterspringen.

(Foto 9 - Tschüss mit Velo) Und tschüss!
Wir sehen uns bestimmt da und dort mal wieder.



tschüss
28.08.2026
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