DiVino-Gottesdienst

Bild wird geladen... (Foto: Charlotte Stocker)
'Was ist, wenn es Gott gar nicht gibt? Wenn Gott ein Konstrukt von uns Menschen ist?
'Gschech nüt Schlimmers', müsste ich dann wohl sagen. Mein Glaube war mir immer eine Stütze. Er trug und trägt mich durchs Leben. Durch die schweren und die schönen Zeiten.'
Salome Probst
Zum dritten Mal feierten wir einen DiVino-Gottesdienst. DiVino ist eine Wortkombination von divine (engl. göttlich/heilig) und vino (ital. Wein). Damit ist auch schon ganz viel zur Form dieser Gottesdienste gesagt: wir essen gemeinsam Znacht und zwischen den Gängen gibt es Inputs direkt aus dem Leben, diesmal aus dem Leben von Annerös Bachmann. Sie nahm uns mit auf ihren Lebens- und Glaubensweg.

Ganz ehrlich und offen berichtete sie von ihrer Beziehung zu Gott und davon, wie sich diese im Lauf der Jahre auch gewandelt hat. Sie erzählte uns von ihren ersten Jahren als Kind in einer Grossfamilie, in der der Glauben ganz selbstverständlich dazugehörte. Wie sie sich behütet und geborgen fühlte – frei von Auflagen an ihr ‘So Sein-Müssen’ und wie sich das später zum Teil änderte - es gab jene Zeit im Leben von Annerös, wo das tägliche Bibellesen schon auch Pflicht war…
Sehr berührend war ihre Schilderung der Sorgen, die sie als Mutter hatte. Gerade dann, wenn ihre Kinder einen anderen Weg gingen als der, welcher Annerös sich für sie gewünscht hat. Damals habe sich ihr Glaube noch einmal stark verändert bzw. verändern müssen. Und sie zeigte, wie sich dieser neue Glaubensweg auch in der Art zu beten niederschlug. Sie betete nicht mehr dafür, dass die Kinder doch dieses oder jenes tun sollten. Annerös begann zu beten: ‘Gott, du weisst, wie du ihnen begegnen kannst.’

Diese Lebensbilder, die Annerös malte, weckten in wohl allen Anwesenden eigene Erinnerungen. Der rege Austausch in den Tischgemeinschaften bei den Gängen sprach davon Bände. Und manch einer war ob all der Eindrücke dann auch sehr dankbar über die ruhigen Minuten, die uns Erich Nussbaum mit seinem Gitarrenspiel schenkte.
Ob sie manchmal auch mit Gott gehadert habe, fragte ich Annerös gegen Ende des Gottesdienstes. Sie meinte: ‘Nein. Gehadert mit ihm habe ich nie. Aber sehr wohl an ihm gezweifelt. Was ist, wenn es Gott gar nicht gibt? Wenn Gott ein Konstrukt von uns Menschen ist? Und dann spürte ich, dass mein Glaube mir immer eine Stütze war. Dass mich mein Glaube durchs Leben trug und trägt. Durch die schweren und die schönen Zeiten. ‘Gschech nüt Schlimmers!’, müsste ich dann wohl sagen.’

Ich glaube fest, dass in unserem Leben das Evangelium immer wieder sichtbar wird. Dass das Evangelium auch von uns gelebt wird und wir uns davon erzählen können. Und auch sollen. Und drum können wir eigentlich nur gespannt sein auf den nächsten DiVino-Abend am 19. Juni.
DiVino
11.02.2020
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